Das allseits bekannte Doping im Radsport

Vom Vorwurf des Betruges ist ein Straßenradprofi freigesprochen worden, weil ihm nicht widerlegt werden konnte, dass die Tatsache, dass er gedopt hatte, dem vermeintlich geschädigten Vertragspartner bereits bekannt war.

So hat das Landgericht Stuttgart entschieden. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Radprofi zur Last gelegt, seinen Vertragspartner und ehemaligen Teamchef im Sommer 2008 über die Einnahme des Dopingmittels CERA getäuscht und ihn dadurch zur Fortzahlung der monatlichen Bezüge in Höhe von jeweils 50.487,50 Euro veranlasst und insoweit geschädigt zu haben.

Voraussetzung einer Verurteilung wegen Betrugs gemäß § 263 StGB ist unter anderem, dass der Täter durch eine Täuschungshandlung bei einer anderen Person einen Irrtum hervorruft und sich der Getäuschte irrtumsbedingt in seinem Vermögen selbst schädigt.

Nach Auffassung des Landgerichts Stuttgart habe der Angeklagte zwar in einem Gespräch mit Verantwortlichen seines Vertragspartners und des Rennstalls am 17. Juli 2008 wider besseres Wissen die Einnahme von CERA abgestritten und damit die Unwahrheit gesagt. Aber letztlich konnte nicht ausgeschlossen und die dahingehende Einlassung des Angeklagten nicht widerlegt werden, dass die Tatsache, dass der Angeklagte gedopt hatte, dem vermeintlich geschädigten Vertragspartner bereits bekannt war.

Zwar hatte der Geschäftsführer und frühere Teamchef angegeben, dass er von der Dopingfreiheit des Angeklagten ausgegangen sei. Angesichts des konkreten Ablaufs der Gespräche zwischen den Beteiligten am 17. Juli 2008 und angesichts der Angaben insbesondere der Teamärzte vermochte das Landgericht aber alleine auf die Aussage des Teamchefs keine Verurteilung zu stützen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Teamärzte immer wieder mit Fragen der Athleten rund um das Thema Doping befasst worden seien; ein Arzt habe in der Hauptverhandlung von seinem Auskunftsverweigerungsrecht gem. § 55 StPO Gebrauch gemacht, ein anderer habe eingeräumt, dass er sich dem Doping-Verlangen eines Athleten nicht offen zu widersetzen wagte. Die sich hieraus ergebenden Zweifel am Vorliegen eines strafrechtlich relevanten Irrtums gingen, so das Landgericht Stuttgart, zu Gunsten des Angeklagten, so dass dieser freizusprechen gewesen sei.

Landgericht Stuttgart, Urteil vom 29. Oktober 2013 – 16 KLs 211 Js 88929/08